Wer in Kleinblittersdorf wohnt und in Sarreguemines einkauft, wer in Völklingen lebt und in Forbach arbeitet, wer ein Kind in eine bilinguale Einrichtung schickt: Diese Menschen brauchen keine Theorie über den Wert Europas. Sie leben ihn. Die SPD-Fraktion setzt sich dafür ein, dass die politischen Strukturen mit dieser Realität Schritt halten, und sie tut das im Eurodistrict SaarMoselle, einem der konkretest denkbaren europäischen Projekte.
Was der Eurodistrict ist
Der Eurodistrict SaarMoselle wurde am 6. Mai 2010 als Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit gegründet. Er besteht aus dem Regionalverband Saarbrücken und den französischen Gemeindeverbänden Forbach, Freyming-Merlebach, Sarreguemines, St. Avold und Creutzwald und umfasst rund 170 Städte und Gemeinden mit 650.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Er kann eigenständig Fördermittel bei der EU beantragen und setzt damit Projekte um, die grenzüberschreitenden Alltag einfacher machen: in der Raumplanung, beim grenzüberschreitenden ÖPNV, in der Wirtschaftsförderung, bei Fragen der Gesundheitsversorgung.
Warum die SPD-Fraktion das als ihr Thema begreift
Freiheit ist unteilbar. Wer auf einer Seite der Grenze lebt, sollte denselben Zugang zu Bildung, Gesundheit und Beschäftigung haben wie jemand auf der anderen Seite. Ziel des Eurodistricts ist der Aufbau einer grenzüberschreitenden Agglomeration, die den Herausforderungen des Strukturwandels und den täglichen Problemen der Einwohnerinnen und Einwohner besser begegnen kann, weil sich Wohn- und Arbeitswelt in der Grenzregion längst vermischt haben.
Die Fraktion versteht Europa nicht als Sonntagsrede, sondern als praktische Aufgabe. Die Territoriale Strategie 2027 des Eurodistricts umfasst fünf Themenbereiche: Wirtschaftsentwicklung, Interkulturalität und Zweisprachigkeit, Gesundheit, Tourismus und nachhaltigen Tourismus. Hinter jedem dieser Felder stecken konkrete Fragen: Wie kommen Berufspendler sicher und schnell über die Grenze? Wie können Kinder beidseits der Saar zweisprachig aufwachsen? Was passiert, wenn jemand auf der französischen Seite einen deutschen Arzt braucht?
Für die SPD-Fraktion ist der Eurodistrict deshalb kein Prestigeprojekt, sondern eine politische Werkzeugkiste. Und in einer Zeit, in der Nationalismus und Abschottung wieder attraktiv wirken wollen, ist das Festhalten an gelebter grenzüberschreitender Zusammenarbeit auch eine Haltung.