AG Migration und Vielfalt: Traumabehandlung von Flüchtlingen im Saarland Wie können politische, strukturelle und qualitative Anforderungen sichergestellt werden?

Im Dezember 2016 führte die AG Migration & Vielfalt ein Fachgespräch zum Thema „Traumabehandlung von Flüchtlingen im Saarland“ – „Wie können politische, strukturelle und qualitative Anforderungen sichergestellt werden?“ durch. Im hochkarätig besetzen Podium saßen die parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion im Saarland Petra Berg, Susanne Münnich- Hessel, Ansprechpartnerin für die Versorgung von Flüchtlingen und MigrantInnen im Vorstand der Psychotherapeutenkammer des Saarlandes, Rabea Pallien, Leiterin des Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge und Migranten des DRK, Patrizio Maci, Vorsitzender des Saarländischen Integrationsrates, sowie Andrea Dixius leitende Psychologin und Eva Möhler, Chefärztin der SHG Kliniken, und Entwicklerinnen des „Start – Konzepts“. Die Moderation leitete Susanne Kasztantowicz, stellvertretende Vorsitzende der AG Migration und Vielfalt Saar.

Schätzungen zufolge haben fast die Hälfte der Geflüchteten, die nach Deutschland kommen, im Heimatland, auf der Flucht oder im Aufnahmeland schwerwiegende Erfahrungen gemacht, weswegen sie an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden. Sie sind dringend auf Hilfe angewiesen und brauchen eine sichere Umgebung. Bei minderjährigen Flüchtlingen ist die Situation noch prekärer. Sie sind eine besonders vulnerable Gruppe und haben erhöhten Unterstützungsbedarf.

Jedoch ist die medizinische Versorgung von Flüchtlingen weiterhin nicht optimal. Asylbewerbende erhalten nur im akuten Krankheitsfall Hilfe. Anerkannte Flüchtlinge erhalten zwar volle medizinische Versorgung, aber oft ist das Gesundheitssystem oder die Therapieangebote unbekannt. Auch Scham oder negativer Ruf können der Wahrnehmung einer Behandlung entgegenstehen. Erfolgt dann kompetente psychologische Unterstützung, sind kulturelle und sprachliche Hindernisse zu überwinden. Lange Wartezeiten erschweren die Situation. Um passende Dolmetscher zu finden, ist inzwischen ein Dolmetscherpool aufgebaut worden.

Da erst dann an Traumata gearbeitet werden kann, wenn ein sicheres Umfeld aufgebaut wurde und diese auch manchmal erst nach Jahren ausbrechen, ist davon auszugehen, dass der Bedarf in Zukunft noch steigen wird. In der Diskussion wurde auch die instabile finanzielle Situation angemerkt, sodass oft nur projektbezogen Finanzmittel zur Verfügung stehen.

Es wurde herausgearbeitet, dass insbesondere niedrigschwellig aufsuchende Ansätze erfolgversprechend sind. Kürzung der Jugendhilfe für umF einhergehend mit geringer pädagogischer Betreuungsintensität sowie dem Vorrang von Infrastrukturangeboten vor individualisierter Einzelfallhilfe sind nicht sachgerecht, unmenschlich und daher abzulehnen. Deshalb unterstützt die AG Migration und Vielfalt die Resolution der Psychotherapeutenkammer des Saarlandes von 2016 die sich gegen die Einführung eines abgeschwächten Leistungs- und Unterstützungssystems für minderjährige Flüchtlinge ausspricht, weil es einer kinderrechtswidrigen Diskriminierung (vgl. Art.22 Abs.2 UN Kinderrechtskonvention) gleichkommen würde.


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